Es ist wohl Geschmackssache, aber neben all den Farben, die die Natur bietet, existiert seit Jahren ein Markt für eingefärbte Blumen. Bisher gab es sie nur einfarbig: meistens blau. Nun hat ein holländischer Unternehmer eine Weltneuheit ausgetüftelt: Multicolorblüten, die alle Regenbogenfarben in sich vereinen.
Chrysanthemenzucht im Wettbewerb
Der holländische Landstrich "Bommelerwaard" nahe Herzogenbosch liegt zwischen den Flüssen Maas und Waal . Hier ist der Boden besonders fruchtbar, und hier befinden sich 40 Prozent der holländischen Chrysanthemenzucht. Auch die Familie van de Werken züchtet Chrysanthemen bereits in der dritten Generation. Peter van de Werken übernahm den kleinen väterlichen Betrieb vor 13 Jahren und verfügt inzwischen mit seinen zwei Brüdern über drei vollautomatisierte Treibhäuser mit insgesamt über 60.000 Quadratmetern Fläche. Das ganze Jahr über werden weiße, gelbe, rosa und orangefarbene Chrysanthemen verschiedenster Arten geerntet.
Die Blumen werden jeden Tag per Lkw zur Blumenauktion nach Alsmeer gebracht, der traditionellen holländischen Blumenbörse, die es seit 1905 gibt. Bereits seit acht Jahren färbt Peter van den Werken einen Teil seiner weißen Chrysanthemen ein. Die Nachfrage ausländischer Kunden brachte ihn dazu, sein eigenes Färbesystem zu entwickeln. Sein Cousin, ein Ingenieur, baute ihm die passende Maschine. Hierbei werden etwa zwölf Blütenstängel in einen Karton gepackt und auf ein Förderband gestellt. Der Karton wird von der Maschine ergriffen, die Stängel werden gekürzt und die Blumen in einen Färbebottich getaucht. Doch da die Konkurrenz groß ist, hatte van de Werken die Idee, ein Färbesystem zu entwickeln, das mehrere Farben in einer Blüte vereint.
Die Happy Colors - kein Zufallsprodukt
Der Unternehmer tüftelte mehrere Monate lang mit seinem Cousin an einem System, das mehrere Farben in einer Blüte erscheinen lassen würde. Dabei kam ihm sein Wissen als studierter Landwirt zunutze. Parallel engagierte er eine Trendanalystin, die ihm die Kombination bestimmter Farben empfahl. Die Blumen gibt es nun in allen Regenbogenfarben, aber auch in Farbverläufen mit Pink und Orange oder Tönen in Blaugrün.
Auf Kundenanfrage gibt es auch Sonderanfertigungen. Aus Spanien und Italien kam der Wunsch nach Blumen in den Farben der Nationalflaggen! Van de Werken nennt seine Blumen "Happy Colors" und "Happy Chrysanthemums". Seit Neuestem sind auch eingefärbte Rosen erhältlich, die "Happy Roses". Doch wie macht er das eigentlich?
Geheimnisvolles Färben - unbedenkliche Farben
Sein Geheimnis hütet er streng, denn derzeit ist Peter van de Werken (nach eigener Aussage) weltweit der Einzige, der vielfarbig eingefärbte Blüten herstellt. Er fürchtet, dass große Firmen sein Patent kopieren, es minimal verändern und dann als ihr eigenes neu anmelden könnten. Der Familienbetrieb produziert übrigens derzeit etwa 20.000 gefärbte Blumen pro Woche, Tendenz steigend. Und wie das geht, können wir natürlich nicht erfahren, nur so viel sei verraten: Es hat mit der genauen Farbtemperatur pro Farbe, mit der Wasserhärte und mit den natürlichen Kräften der Natur zu tun, die die Flüssigkeit im Stengel hochsteigen lassen. Dazu müssen die Blüten mehrere Stunden lang in einem Färbebehälter bleiben. Nach etwa drei Stunden sind die Blumen durchgefärbt.
Wie aber geht man als Verbraucher mit den Blumen um?
Servicezeit: Wohnen & Garten wollte unbedingt wissen, ob die benutzten Farben umweltverträglich sind. Deshalb haben wir die Blumen einem unabhängigen Labor in Deutschland zur Untersuchung gegeben. Dabei wurde festgestellt, dass alle benutzten Farben auf die drei Grundfarben rot, gelb und blaugrün zurückzuführen sind. Beim roten Farbstoff handelt es sich um Rhodamin, ein Stoff, der in der Kosmetikindustrie schon lange verwendet und auch zum Ostereierfärben benutzt wird. Bei den anderen beiden Farben handelt es sich um Lebensmittelfarbstoffe. Von daher können die grellen Multicolorblüten wie alle normalen Blumen entsorgt werden.
Der Betrieb Van de Werken besitzt übrigens offiziell das "Green Label" des Niederländischen Ministeriums für Landwirtschaft, Natur und Fischerei, ein Zertifikat für besonders umweltfreundliche Betriebe.